Die Vergangenheit ist ein fremdes Land. Und ein äußerst seltsames obendrein. Während uns heute allerorten Warnungen vor den Gefahren ausufernden Körpergewichts serviert werden und zahllose Frauen in Frustration versinken, da sie nicht die Proportionen bleistiftdünner Magermodels aufweisen, hatte man 1963 ganz andere Sorgen. Damals lautete die bange Furcht, man könne vielleicht zu mager sein.Was sollten auch die Nachbarn denken, wenn man so dürr war? Am Ende wurde vielleicht noch getuschelt, man könne sich keine gute Butter leisten und würde nicht wie anständige Menschen nachmittags Schmalzgebäck verzehren. Doch es gab Abhilfe für die bemitleidenswerten Mageren!
Die vorgeblich von irgendeinem Pharmazeuten namens Heidrich ersonnenen Virchosan-Dragees sollten beim gezielten Fettwerden helfen. Den Damen wurde eine volle Figur in Aussicht gestellt, was vermutlich Anno '63 als besonders erstrebenswert galt, heute aber nur noch im Vorderen Orient ein Nischendasein als traditionsorientiertes Schönheitsideal fristet. Google fördert übrigens keinerlei Spuren des Selbstmäster-Medikaments zutage, und das Deutsche Patent- und Markenamt verzeichnet keine Registrierung des Begriffs Virchosan. Vermutlich ging S. Thoenig nicht ganz zu Unrecht davon aus, dass niemand versuchen würde, seine superknorken Wampenwuchs-Pillen zu kopieren.
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