
Ich wittere eine Verschwörung der Unterhaltungselektronik-Industrie. Anders ist nicht zu erklären, wie dieses fabelhafte Produkt in Vergessenheit geraten konnte. Bino-Scope war der Name des Wunderdings, und es verhieß vielfach genußreicheres Fernsehen. So konnte Opa schon 1967 die Sparschweinderlfütterung bei Was bin ich verfolgen, als säße er vor einer Cinemascope-Leinwand. Grandios, was der Tina-Versand featuring die Post damals möglich machte!
Nun ja, nüchtern betrachtet handelte es sich um simple Vergrößerungslinsen, die man sich vor die Augen klemmte und die vermutlich spätestens nach fünf Minuten für hämmernde Kopfschmerzen und Übelkeit sorgten. Und der Farbfilter (ein- und ausschaltbar! Wohin wird die Technik uns noch führen?) machte aus dem 47cm-Schwarzweißfernseher aus dem Hause Grundig mitnichten einen gigantischen Farbfernseher, sondern dürfte auf dem robusten Low-Tech-Prinzip "ich schaue durch buntes Glas und freue mich wie ein Schneekönig" basiert haben. Hinzu kommt, dass jeder, der diesen Apparillo auf der Nase trug, unvermeidlich wie ein durchgeknallter Schweißer aussah und bei seinen Mitmenschen eher Zweifel an der geistigen Zurechnungsfähigkeit denn Neid auf die Fähigkeit zum gesteigerten Fernsehgenuss hervorgerufen haben wird.
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